Osteopathie
Kleiner Exkurs in die Osteopathie
Entgegen mancher Vermutungen, die Osteopathie sei eine Heilweise aus dem fernen Asien wurde die Osteopathie stattdessen im ehemaligen „Wilden Westen“ der USA ins Leben gerufen. Ihr Begründer, Andrew Taylor Still, war zugleich Bauer, Geistlicher und Mediziner wie sein Vater schon vor ihm, und verfügte über eine sehr gute Beobachtungsgabe für natürliche Vorgänge.
Die Möglichkeiten der Medizin zu diesen Zeiten waren sehr begrenzt, zudem waren die Anwendungen oft eher lebensgefährlich als lebenserhaltend, wie z.B. der Aderlaß oder die Verabreichung von hochgiftigen metallischen Verbindungen.
A.T.Still hatte eine Ehefrau und mehrere Kinder durch Infektionskrankheiten verloren und wollte es nicht länger hinnehmen, diesen Gefahren schutzlos ausgeliefert zu sein. So begab er sich auf die Suche nach einer fundierten, natürlichen Heilmethode und begann den menschlichen Körper intensiv zu erforschen und zu beobachten. Er führte anatomische Studien durch und entwickelte seine eigene Behandlungsmethode, die er Osteopathie nannte. Dieser Begriff setzt sich aus Osteo (der Knochen) und Pathie (die Erkrankung) zusammen, weil Still annahm, daß Krankheiten ihren Ursprung von den Knochen nehmen.
Der Name „Osteopathie“ ist geblieben, das heutige Wissen bezüglich der Ursachen von Erkrankungen ist natürlich wesentlich differenzierter geworden. Zudem hat sich die Osteopathie im Laufe der fast 200 Jahre ihres Bestehens beständig weiterentwickelt.
Von der USA ausgehend hat die Osteopathie früh den Weg nach England gefunden, und von dort aus nach Frankreich und Belgien. Auch in Deutschland hat sie sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr etabliert.

Osteopathie als manuelle Medizin
Die wichtigste Erkenntnis der Osteopathie ist, daß der menschliche Körper eine Einheit darstellt und über starke Selbstheilungs-und Regulationskräfte verfügt.
Mit anderen Worten, der menschliche Körper ist hochintelligent, sonst könnte er sich in seiner Komplexität mit seinen Milliarden von Zellen nie selbst organisieren. Er weiß im Grunde ganz genau, was ihm fehlt und wie sein idealer Zustand sein sollte. Löst der/die Osteopath/in nun die durch verschiedene Ursachen entstandenen Blockaden des Körpers durch seine manuelle Arbeit auf und schafft damit ein Milieu, in dem die Selbstheilungskräfte wieder zum Wirken kommen können, wird der Körper von sich aus den für ihn momentan bestmöglich erreichbaren Zustand wieder einstellen.
Mittels spezieller Handgriffe und im ständigen Abgleich mit dem in den Prozess kommenden Körper verbessert der/die Osteopath/in die Beweglichkeit des Knochengerüsts, der Skelettmuskulatur sowie des versorgenden Nervensystems, löst Spannungen in verschiedensten Geweben, mobilisiert Organe und regt die Durchblutung und Entstauung als wesentlichen Faktor für Heilung an.
Seine Fähigkeiten und sein Wissen erwirbt der Osteopath in der Regel in einer fünfjährigen Ausbildung, weiterführenden Schulungen sowie insbesondere durch das ständige Spüren und Erfühlen von Spannungsmustern im Körper des Patienten.
Gesundheit auf drei Säulen:
In der Osteopathie werden drei Systeme des Körpers unterschieden:
das „Parietale System“, das das Muskel-und Sklettsystem beinhaltet,
das „Viscerale System“, das die inneren Organe umfaßt und
das „Craniosakrale System“, das für die Osteopathie spezifisch ist, und das Zusammenwirken von Kopf und Wirbelsäule bis zum Steißbein beschreibt, verbunden durch einen grundlegenden inhärenten Rhythmus (Craniosakraler Rhythmus)
Dementsprechend wird von Parietaler, Visceraler und Craniosakraler Osteopathie gesprochen, im Grunde genommen bildet die Trennung aber nur ein Konstrukt. Der/die Osteopath/in wählt in jeder Therapiestunde die jeweils sinnvollsten dem Wohle des Patienten dienenden ineinandergreifenden Techniken aus den drei Bereichen aus.
Vom Atem bis zur Zelle
Grundsätzlich ist im gesunden menschlichen Körper alles in Bewegung, auch wenn uns das in den meisten Situationen nicht bewusst ist. Am ehesten spüren wir den regelmäßigen Herzschlag oder die Atmungsbewegung des Brustkorbs bzw. der Bauchdecke.
Aber auch alle anderen Organe und Gewebe im Körper, selbst die Knochen (z.B. am Schädel spürbar) und jede einzelne Zelle sind in ständiger Bewegung. Im eigenen Rhythmus verändern sie ihre Lage in spezifischen Bewegungsmustern und sei es auch nur geringfügig. Diese Dynamik ist eine wesentliche Voraussetzung für Gesundheit. Wird sie durch erhöhte oder unnötige Gewebespannungen, Blockaden und Einschränkungen nach Unfällen oder Gewohnheitshaltungen limitiert, kann das im Laufe der Zeit über degenerative Prozesse zu Krankheit führen, deren deutlichstes Symptom der Schmerz ist (z.B. Bandscheibenvorfall).
Der Körper als Sammelbecken
Im Laufe des Lebens sammelt jeder Mensch Spuren von kleinen oder größeren Verletzungen oder Belastungen welcher Art auch immer (z.B. auch Dauerstreß) im Körper an. Idealerweise kann sich der Körper auf unterschiedlichen Ebenen anpassen und die Belastungen kompensieren.
Das geht aber nur bis zu einem gewissen Grad. Wird diese Schwelle überschritten, kann schon ein kleines zusätzliches Ereignis eine Symptomatik auslösen, z.B. einen Nackenschmerz. Behandelt der Therapeut dann nur den Nacken, kann es sein, daß sich auf lange Sicht keine Besserung einstellt, weil die Ursache der Nackenbeschwerden in einer anderen Körperregion zu finden ist.
Ziel der Osteopathie ist es deshalb, durch eine Beurteilung des gesamten Körpers genau diesen verursachenden Faktoren auf die Spur zu kommen und diese bestmöglich zu behandeln. Der Körper wird somit als eine Einheit betrachtet.
Die Untersuchungstechniken in der Osteopathie bestehen zum Teil aus Bewegungstests der Wirbelsäule und der anderen Gelenke, Muskeln und Faszien, aber auch aus der Testung der Beweglichkeit und Eigendynamik der inneren Organe und dem Spüren der feinen Gewebsbewegungen, die einen Aufschluß über die Freiheit des untersuchten Areals geben.


